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Rückblick aufs Trainingslager in Benidorm

18. Februar 2026 | Michael Bohnenblust

Um 02:55 Uhr schrillt ein warmer, südländischer Samba durch das kalte Schlafzimmer. Sofort wird mir klar: Zwischen der spanischen Leidenschaft, der wundervollen Playa und den pittoresken Hügeln und Kurven, die wie ein Gemälde von Monet in die kahle Landschaft eingepinselt sind, trennt uns nur noch ein zweistündiger Flug. Beim Flug, zwischen Golfmannschaften, IT-Girls aus den 70ern und Colins WG-Mitbewohner, der seine KI-Freundin im Serverraum von Alicante besucht — wird das Fernweh nach spanischem Asphalt immer stärker. Die erste Radfahrt war ein 60 Kilometer langes Einfahren. Das Ziel: den Motor für das Buffet auf Hochtouren bringen! Die Fahrt war entspannt und wurde mit viel Gesang, inspiriert von Helene Fischer, begleitet. In harmonischem C-Dur oder was auch immer die hechelnde Stimmlage hergab, ertönte von weit her plötzlich ein Schrei, ein Gelächter, ein „Pfui“ … auf Spanisch.
Die Neugier weckte unser Interesse, den Ort näher zu erkunden. Es stellte sich heraus, dass die Wortlaute von Besuchern des Foltermuseums stammten. Haters gonna hate — aber die Helene-Fischer-Stimmung verging mir, und für den Rest der Fahrt transportierte mich mein Geist gedanklich auf ein Rammstein-Konzert.


Der erste Tag begann, wie jeden Tag vor dem Buffet! Der frisch gepresste Orangensaft von José und die feinen Pfannkuchen dienten als perfekte Grundlage für das heutige Ereignis. Die Velos wurden gesattelt und Benidorm in Richtung Denia verlassen. Am ersten Anstieg erschlich sich von hinten ein gewaltiges Tier. Mit seinem Instinkt schoss es an unserer Gruppe vorbei. Colin schrie: „Chicos schaut, ein weiss-goldener Tiger!“ Gian traute seinen Augen kaum, denn diese Spezies in freier Wildbahn zu finden, gleicht einem Wunder. Erst das Beweis-Selfie von Timo konnte zur Identifikation dieses Hybriden beitragen: Es ist Remco Evenepoel. Ein Mensch zwischen Fussballspieler und Radsportler. Nach der Fahrt genossen wir auf der Rooftop-Bar einen alkoholfreien Cocktail und schauten den letzten Sonnenstrahlen hinterher.


Der zweite Tag begann, wie jeden Tag vor dem Buffet!! Die Routenplanung führte uns heute über, wo genau, keine Ahnung! Unausweichlich jedoch ist der Berg zwischen Schweisstropfen und Militärinfrastruktur, der direkt vom Hotel mit 1000 Höhenmetern erklommen werden kann — jedoch nur mit mindestens 280 Watt. Das Tiefere, respektive das Unbekannte, wird heute in unserer Gruppe nicht toleriert. Auch wenn Benidorm als Partystadt für englische Schlauchbootlippen bekannt ist, gingen wir früh aufs Zimmer, lauschten auf dem Balkon den Wellen und genossen den Anblick der gigantischen Bauwerke, die nach den Sternen greifen.


Nach einer erholsamen Nacht begann der dritte Tag , wie jeden Tag vor dem Buffet!!! Noch bevor die ersten Turteltäubchen ihre schicken E-Roller zum gemütlichen Promenieren an der Strandpromenade — logisch — herausholten, fuhr unsere Gruppe mit ordentlich Druck auf den Pedalen zwischen den Hochhäusern in Richtung Denia im Norden. Colin sagte zu Wout: „Es ist windig heute, nicht wahr?“ Dieser antwortete nur mit Superturbo auf den Pedalen. Wie man’s nimmt aber keine Antwort ist auch eine Antwort.


Der vierte Tag begann, wie jeden Tag vor dem Buffet!!!! Am Buffet schaue ich neben Jorge. Die frische Blutorange im Fruchtkorb hat es mir heute besonders angetan. Ihr Saft quillt förmlich aus ihrem Mantel. Süss — und trotzdem sauer. Ich schaue runter auf meine Beine: süss? Aber vor allem sauer — prall gefüllt mit Laktat. Heute ist Ruhetag. Zeit zum Frönen, Stadt erkunden, saunieren und für eine kurze 20-km Fahrt. Benidorm hat neben belgischen und englischen Siedlern auch eine kleine Altstadt. Das Highlight dieses Tages bildet jedoch der Gang zu unserem Lieblingskaffee, wo der Cappuccino auf der Terrasse wie von James Bond getrunken werden kann.


Der fünfte Tag begann, wie jeden Tag vor dem Buffet!!!!! Man munkelt, in Alicante herrsche immer schönes Wetter. Dies wollten wir heute ausprobieren. Die Strecke führte uns neben einem See zu einer schönen Passhöhe in die Wüste. Es ist erstaunlich, wie viel karger die Landschaft im Vergleich zum nördlichen Teil von Benidorm ist.


Der sechste Tag begann wie jeden Tag vor dem Buffet!!!!!! Erneut fuhren wir heute Richtung Col des Rates. Während der Fahrt fanden wir noch einen Herrn, der Intervalle fuhr. Der Schweiss tropfte auf seinen Rahmen. Man merkte, er war kurz vor dem Krepieren. Taktisch wohl überlegt liessen wir ihn für uns führen und attackierten ihn am Schluss gleich mehrmals. Danach liessen wir ihn wieder ziehen. Weitere Kilometer vergingen, und wir machten Kaffeepause am Fusse des Col des Rates. Dort begrüsste uns der Attackierte, und wir nahmen vornehm Platz. Nach grosszügigem Smalltalk mit den anderen Radfahrenden beklommen wir den Col des Rates.


Der siebte Tag begann, wie jeden Tag vor dem Buffet!!!!!!! Die Beine sind heute sehr schwer. Einige von uns entschieden sich, eine kürzere Runde zu fahren. Die ersten Kilometer führten uns auf den Col du Tudons, wo uns eine Oldtimergruppe entgegenkam. Nach den ausgiebigen Höhenmetern fuhren wir ins Kaffee und genossen die 2-stündige Rückfahrt zum Hotel.

Thomas Steiner

Kategorie: Berichte, Rennberichte

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